Wie Gesundheitsziele wirklich erreicht werden können
Die eigene Gesundheit zu stärken ist oftmals leichter gesagt als getan. Selbstregulationsstrategien bieten wertvolle Werkzeuge, um die Gesundheitsziele trotz den Anforderungen des Alltags zu erreichen.
Interventionen und Massnahmen zur Förderung der körperlichen und mentalen Gesundheit sind vielfältig. Sie reichen von mehr Bewegung im Arbeitsalltag über Achtsamkeitsübungen bis hin zum Lernen, Nein zu sagen. Die Vorteile dieser Massnahmen sind uns meist bewusst, und viele davon sind wissenschaftlich gut belegt. Doch Hand aufs Herz: Wie viele gesunde Gewohnheiten wurden langfristig in den Alltag integriert? Gar nicht so einfach! Das Bewusstsein über die positiven Folgen allein reicht oft nicht aus, um unser Verhalten zu verändern. Der Alltag und unsere alteingesessenen Gewohnheiten übernehmen schnell das Ruder. Die gute Nachricht? Es gibt alltagstaugliche Strategien der Selbstregulation, die bei der Zielerreichung unterstützen können. Die Selbstregulation ist ein breites Konzept, welches in der Literatur unterschiedlich definiert wird als auch verschiedene Ansätze und Methoden umfasst. Im Folgenden werden einzelne Methoden vorgestellt, die sich besonders gut im Alltag anwenden lassen.
Die eigene Vorstellungskraft nutzen
«Wenn man positiv denkt, kann man alles schaffen», dieser motivierende Gedanke entspricht nur bedingt der Realität. Studien zeigen nämlich, dass reines positives Fantasieren über eine gewünschte Zukunft die Zielerreichung sogar hindern kann (Oettingen & Wadden, 1991; Oettingen & Mayer, 2002). Der Grund: Wenn wir uns den Erfolg zu lebhaft vorstellen, entsteht das Gefühl, ihn bereits erreicht zu haben. Dadurch sinkt unsere Motivation, aktiv etwas dafür zu tun (Kappes & Oettingen, 2011). Eine Alternative bietet die Methode der mentalen Kontrastierung (Oettingen 1996, 2012, 2015). Diese kombiniert das Vorstellen der Zielerreichung mit einem realistischen Blick auf die Hindernisse. Dadurch wird deutlich, dass die angestrebte Zukunft noch nicht erreicht ist, und es lässt sich einschätzen, ob das Ziel realistisch ist. Der Glaube, die Hindernisse überwinden zu können, stärkt die Motivation und erhöht die Chance, das Ziel zu erreichen (Krott et al., 2019). Die Wirksamkeit dieser Selbstregulationsmethode, wurde unter anderem in der Studie von Johannessen et al. (2012) belegt. An dieser nahmen Studierende teil, die den Wunsch hatten, sich gesünder zu ernähren. Teilnehmende, die ihren Wunsch mental kontrastierten, waren bei der Zielerreichung erfolgreicher als jene, die lediglich positiv fantasierten.
Anwendung in 3 Schritten:
- Wunsch identifizieren: Welches Gesundheitsziel möchten Sie wirklich erreichen?
Beispiel – Durch mehr Dankbarkeit den Fokus stärker auf das Positive richten. - Zukunft vorstellen: Stellen Sie sich lebhaft vor, wie es wäre, wenn sich dieses Ziel erfüllt.
Beispiel – Sie nehmen positive Dinge bewusster wahr und beginnen den Tag mit einer dankbaren Haltung. - Hürden erkennen: Überlegen Sie sich, welche Hindernisse Sie daran hindern könnten. Stellen Sie sich diese realistisch vor.
Beispiel – Im Alltag fehlt oft die Zeit und Abend entscheidet man sich lieber für den Fernseher oder Medienkonsum.
Konkrete Handlungspläne erstellen
Um die in der mentalen Kontrastierung identifizierten Hürden noch gezielter zu überwinden, kann die Methode durch Wenn-Dann-Pläne ergänzt werden (Krott et al., 2019). Mehrere Studien zeigen, dass Wenn-Dann-Pläne zu einer höheren Erfolgsrate bei der Zielerreichung führen (Gollwitzer & Sheeran, 2006). Die Kombination von Wenn-Dann-Pläne mit der mentalen Kontrastierung ist auch unter dem Begriff «WOOP» bekannt (Krott et al., 2019).
Anwendung in zwei Schritten
- «Wenn» formulieren: In welcher Situation kann ich mein gewünschtes Verhalten umsetzen? Wann ist eine Hürde zu überwinden?
Beispiel – Ist die Hürde, dass abends die Zeit fehlt oder die neue Gewohnheit im Alltag vergessen geht, kann sie bewusst auf den Morgen verlegt werden: «Wenn ich morgens meinen Kaffee trinke, dann…» - «Dann» formulieren: Was möchten Sie in diesem Moment konkret tun?
Beispiel – «…dann nehme ich mir zwei Minuten Zeit, um drei Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin.»
Die Ziele «smart» formulieren
Studien wie diese von Locke & Latham (2013) empfehlen, Ziele spezifisch zu formulieren, da damit die Wahrscheinlichkeit steigt, das Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Bei unspezifischen Zielen sinke die Erfolgswahrscheinlichkeit. Obwohl diese Erkenntnisse nicht neu sind, zeigt sich die Umsetzung im Alltag gar nicht so einfach. Die SMART-Ziele nach Drucker (1977), stellen eine einfache Hilfestellung dar, um die eigenen Ziele optimal zu formulieren. Die Ziele werden dadurch spezifisch, messbar, ausführbar, relevant und terminiert.
Anwendung am Beispiel
- Spezifisch: Am Morgen beim Kaffee trinken, schreibe ich drei Dinge auf, wofür ich dankbar bin.
- Messbar: Jeden Tag für zwei Minuten Zeit.
- Ausführbar: Zwei Minuten pro Tag sind realistisch in meinen Alltag integrierbar.
- Relevant: Dankbarkeit hilft, den Fokus auf das Positive zu lenken.
- Terminiert: Start ist morgen und Überprüfung nach vier Wochen (hier Datum).
Formuliertes SMART-Ziel: Ab morgen nehme ich mir jeden Morgen beim Kaffeetrinken zwei Minuten Zeit, um drei Dinge zu notieren, wofür ich dankbar bin. Nach vier Wochen (hier Datum) überprüfe ich, ob ich mein Ziel umgesetzt habe.
Ziele bewusst verankern
Die Studie von Matthews (2015) zeigte, dass 43 Prozent der Teilnehmenden, die ihre Ziele mündlich formulierten, diese auch erreichten. Hingegen erreichten 76 Prozent derjenigen ihr Ziel, die es zusätzlich aufgeschrieben hatten. Das schriftliche Festhalten eines Ziels kann das Commitment stärken. Insbesondere, wenn das Ziel regelmässig gelesen oder bewusst wahrgenommen wird (Matthews, 2015).
Mögliche Anwendungen: Das Ziel kann beispielsweise auf ein Post-it geschrieben und an einem Ort platziert werden, an dem man regelmässig daran erinnert werden möchte. Alternativ kann eine Erinnerung im Kalender eingetragen werden, um das Ziel immer wieder ins Bewusstsein zu rufen.
Als Unternehmen die optimalen Rahmenbedingungen schaffen
Nicht nur jede:r Einzelne für sich selbst, sondern auch Unternehmen tragen eine wichtige Verantwortung für die körperliche und mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) kann helfen, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die gesundheitsförderliches Verhalten im Arbeitsalltag zu ermöglichen und unterstützen. Das BGM-Team der XpertCenter AG unterstützt Unternehmen dabei, gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen zu gestalten. Erfahren Sie mehr über unsere Dienstleistungen im Bereich BGM. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.
Referenzen
Drucker, P. F. (1977). People and Performance: The Best of Peter Drucker on Management. Harper’s College Press.
Gollwitzer, P. M., & Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement: A metaanalysis of effects and processes. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69–119.
Johannessen, K. B., Oettingen, G., & Mayer, D. (2012). Mental contrasting of a dieting wish improves self-reported health behaviour. Psychology & Health, 27, 43–58.
Kappes, H. B., & Oettingen, G. (2011). Positive fantasies about idealized futures sap energy. Journal of Experimental Social Psychology, 47, 719–729.
Krott, N. R., Marheinecke, R., & Oettingen, G. (2019). Mentale Kontrastierung und WOOP fördern Einsicht und Veränderung. In S. Rietmann & P. Deing (Hrsg.), Psychologie der Selbststeuerung (S. 187-212). Springer Fachmedien.
Locke, E., & Latham, G. (2013). New developments in goal setting and task performance. Routledge.
Matthews, G. (2007). The impact of commitment, accountability, and written goals on goal achievement. Dominican University of California.
Oettingen, G. (1996). Die Psychologie des Zukunftsdenkens: Erwartungen und Phantasien. Hogrefe
Oettingen, G. (2012). Future thought and behaviour change. European Review of Social Psychology, 23, 1–63.
Oettingen, G. (2015). Die Psychologie des Gelingens. Pattloch.
Oettingen, G., & Wadden, T. A. (1991). Expectation, fantasy, and weight loss: Is the impact of positive thinking always positive? Cognitive Therapy and Research, 15, 167–175.
Oettingen, G., & Mayer, D. (2002). The motivating function of thinking about the future: Expectations versus fantasies. Journal of Personality and Social Psychology, 83, 1198–1212.
Veröffentlicht am 20.11.2025
