Women Office

Präsentismus «Arbeiten um jeden Preis?!»

Sind Sie schon einmal krank zur Arbeit erschienen? Und sagt Ihnen Präsentismus etwas? Präsentismus ist ein Phänomen, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Denn der scheinbare Nutzen von Präsentismus geht langfristig mit hohen Kosten, Anstrengungen und chronischen Erkrankungen einher.

Präsentismus – was ist das?

Der Präsentismus ist ein ernst zu nehmendes Phänomen, das immer häufiger auftritt. Wir verstehen unter Präsentismus, wenn Arbeitnehmer:innen trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen.

Wieso verdient Präsentismus Aufmerksamkeit?

Eine repräsentative Studie der Berner Fachhochschule und Travail.Suisse aus dem Jahr 2021 zeigt bei 1400 Arbeitnehmenden, dass 29.1 Prozent der Befragten oft oder sehr häufig arbeiten, auch wenn sie krank sind (vgl. Jahr 2020 23.8 Prozent).

Das ist alarmierend! Denn Arbeiten trotz Krankheit kann zu Chronifizierung und Verschlimmerung von Krankheiten und damit auch zu erheblichen Produktivitätsverlusten und letztlich hohen Kosten führen. Was viele nicht wissen: Präsentismus ist ein bedeutenderer ökonomischer Faktor als Absentismus. Eine deutsche Meta-Analyse zeigt, dass pro Arbeitnehmer:in und Jahr 27 produktive Tage aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen verloren gehen. Ein Drittel dieser Tage ist auf krankheitsbedingte Abwesenheit und zwei Drittel auf unproduktive oder ineffiziente Anwesenheit aufgrund von Gesundheitsproblemen zurückzuführen.

Wie erkenne ich Faktoren, die Präsentismus begünstigen?

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen die Motive für Präsentismus kennen, ist ein gezieltes handeln besser möglich.

Was kann ich (als Arbeitgeber:in) gegen Präsentismus tun?

  • Körperliche, soziale und mentale Gesundheit fördern

Gesunde Arbeitnehmer:innen zeigen weniger Präsentismus. Es lohnt sich, wenn Sie die Mitarbeitenden in ihrer Gesundheitskompetenz unterstützen. Angebote zu gesunder Ernährung oder Bewegung sind wertvoll. Wichtig ist insbesondere auch die Sensibilisierung zur mentalen Gesundheit, beispielsweise Umgang mit Stress, Achtsamkeit, Motivation oder Resilienz.

  • Arbeitsplätze und Arbeitsorganisation förderlich gestalten

Investieren Sie in ergonomische Arbeitsplätze und stellen Sie genügend Ressourcen bereit, damit die Mitarbeitenden ihre Arbeit so stressfrei wie möglich erledigen können. Dazu gehören ein angemessener Informationsfluss, Handlungsspielraum und Partizipationsmöglichkeiten. Neben dem Aufbau der Ressourcen ist es erforderlich, Belastungen wie Konflikte und Zeitdruck zu reduzieren.

  • Arbeitsklima stärken

Eine Atmosphäre des Vertrauens und der offenen Kommunikation sind Voraussetzung dafür, sensible Themen ansprechen zu können. Die beste Präsentismus-Prävention ist eine Unternehmenskultur, in der die Gesundheit der Mitarbeitenden als Voraussetzung für Erfolg gesehen und entsprechend gehandelt wird. Sprechen Sie offen über Präsentismus und machen Sie Beispiele für eine erfolgreiche Wiedereingliederung nach längerer Abwesenheit bekannt (z. B. über Newsletter oder Kampagne). Damit kann die Angst vor negativen Konsequenzen nach Fehlzeiten minimiert werden.

  • Sichere Beschäftigung schaffen

Sorgen Sie für materielle Sicherheit, um Präsentismus aus wirtschaftlichem Druck und Angst vor Stellenverlust zu vermeiden.

  • Gesunde Führung stärken

Als Führungskräfte haben Sie eine Vorbildfunktion. Wenn Sie krank zur Arbeit kommen, übt dies Druck auf Ihre Mitarbeitenden aus, sich ebenso zu verhalten. Mit der Etablierung einer mitarbeitendenorientierten Führungskultur, können Sie einen nachhaltigen Ansatz für die Mitarbeiter:innen-Gesundheit gewährleisten. Denken Sie daran, dass auch das Arbeiten von zu Hause aus, wenn man krank ist, Präsentismus bedeutet.

Ja, es lohnt sich!

In eine nachhaltige Mitarbeitendengesundheit zu investieren lohnt sich. Langfristig werden damit nicht nur Kosten gesenkt, sondern auch ein positives Arbeitsklima geschaffen, welches Innovation ermöglicht und die Arbeitgeberattraktivität steigert. Es lohnt sich auch, Energie in diejenigen Mitarbeitenden zu investieren, die gesund sind. Das ist die beste Prävention. Interessieren Sie sich für Ihre aktuelle Situation in Bezug auf Präsentismus? Gerne beraten und unterstützen wir Sie dabei.